Aktueller Stand 20.02.2015

Überbauungsordnung ZPP 9
Die Stiftung Abendrot (Planerteam: Arbeitsgemeinschaft  Jomini & Zimmernann Architekten / Panorama AG erarbeitet zusammen mit der Baudirektion Burgdorf eine Überbauungsordnung für das Bucher-Areal (ZPP 9). Diese wird voraussichtlich bis im Frühling 2015 rechtskräftig sein. Die einzelnen Planungs- und Partizipationsschritte können Sie als PDF downloaden.

Analyse
Im Januar und Februar 2013 wurden der Zustand und das Ausbaupotenzial aller bestehenden Gebäude auf dem ganzen Areal der ZPP 9 untersucht. Das räumliche Potenzial der einzelnen Gebäude wurde erfasst. Die Restlebensdauer und allfällige Sanierungsschritte der einzelnen Bauteile der Gebäude wurden abgeschätzt. Der Beitrag der einzelnen Gebäude zur Identität des Bucherareales wurde ermittelt. Die Besitzer/innen der Gebäude wurden über Ihre Erfahrungen und Ihre Zukunftspläne befragt.

Die raumplanerischen Vorgaben von Kanton, Region und Gemeinde wurden gesammelt. Die städtebaulichen Gegebenheiten des Ortes wurden untersucht und in Karten und Modellen dargestellt: Siedlungsstruktur, Bauvolumen, Aussenräume, Strassenräume und Materialität. Der anstehende Handlungsbedarf in diesen Bereichen wurde definiert.

Bestimmung der auf dem Areal vorhandenen erneuerbaren Ressourcen, wie Wasserkraft, Regenwasser, Solarenergie und geothermische Energie. Analyse des heutigen Ressourcen- und Energieverbrauches und des Einsparungspotenziales. Heutiges Mobilitätsangebot im öffentlichen und privaten Verkehr und dessen Nutzung. Bestimmung der Emissionsquellen auf dem Areal und in der Umgebung und Emissionsbelastung auf dem Areal.

Untersuchung der auf dem Areal und in der Umgebung vorhanden Nutzungen, deren Ausbaupotenzial und langfristigen wirtschaftlichen Entwicklungsperspektiven. Die Angaben werden durch Gespräche mit den Grundeigentümer/innen, den aktuellen und potenziellen Nutzern ermittelt.

Szenarien
Im März 2013 wurden aufgrund der Ergebnisse der Analyse 4 Szenarien für die zukünftige Entwicklung des Gebietes der ZPP 9 Bucherareal aufgestellt. Diese Szenarien zur Weiterentwicklung des Gebäudebestandes, zu städtebaulichen Massnahmen, zum ökologischen Konzept und zur Nutzungsmischung wurden im Rahmen eines Workshops eingehend diskutiert.

Workshop: Bucherareal auf dem Weg zum Leuchtturmprojekt
Am Mittwoch, 24. April, trafen sich am Abend rund 50 Personen auf dem Gelände der ehemaligen Wollzwirnerei Bucher & Co. in Burgdorf, um über die Zukunft des Areals zu diskutieren. Eingeladen hatte die Stiftung Abendrot, die die Bucher & Co. mit dem 7500 m2 grossen Areal vor einem Jahr mit der Absicht gekauft hatte, das Areal weiterzuentwickeln. Gekommen waren die gegenwärtigen Mieterinnen und Mieter, die Eigentümer der angrenzenden Liegenschaften, Vertreter der Stadt Burgdorf und auch Gruppierungen, die auf dem Areal ein Projekt verwirklichen möchten.

Alex Callierotti, Projektleiter in der Immobilienabteilung der Stiftung Abendrot, stellte die Basler Sammelstiftung vor, die sich bei ihrer Anlagetätigkeit ethischen, ökologischen und sozialen Gesichtspunkten verschrieben und rund 300 Millionen ihrer über eine Milliarde Franken Vorsorgegelder in Immobilien investiert hat; oft auch in Industriebrachen wie das Bucherareal, die dann mit neuem Leben gefüllt werden. Stanislas Zimmermann (Arbeitsgemeinschaft jomini zimmermann architekten Zürich und Panorama AG Bern) stellte im ehemaligen Theaterkeller der Familie Steinegger die Analyse vor, aus der vier verschiedene Bebauungsvarianten mit Wohnhäusern hervorgegangen sind. Diese Varianten gehen von einem kompakten Turm in der Mitte des Areals bis hin zur Idee des «Weiterbauens» am Bestand: So, wie früher ein Gebäude an das andere angebaut wurde, soll nun angrenzend an die grosse Shedhalle ein treppenartiges Wohnhaus gebaut werden. Ins Spiel gebracht wurde von den Architekten auch die Idee, einen Teil des heute unterirdisch geführten Allmendbachs an die Oberfläche zu bringen und dadurch das beliebte Wohnen am Wasser zu ermöglichen. Allen Varianten gemeinsam ist, dass grosszügig Raum für Begegnungszonen geschaffen werden soll.

Nach der Präsentation dieser Varianten verteilten sich die Anwesenden auf acht Tische, an denen sie die verschiedenen Szenarien diskutierten, ihre Ideen, ihre Vorschläge und ihre Einwände einbrachten. Muss es einen grossen Parkplatz geben? Darf auf einen Teil der Stromproduktion des zum Bucher-Areal gehörenden Kleinkraftwerks verzichtet werden, wenn fünf Prozent des Bachs oberirdisch geführt wird? Vertragen sich Alterswohnungen gut mit der Kita? Soll es ein gastronomisches Angebot geben? Hat ein hoher Turm nicht einen allzu grossen Schattenwurf? Soll aus dem Grundwasser Energie gewonnen werden oder eher mittels Photovoltaik? Soll es auf dem Areal ein Leuchtturmprojekt mit entsprechender Ausstrahlung realisiert werden?

Bei der Präsentation der Resultate fiel auf, wie sehr der jetzige Nutzungsmix geschätzt wird. Die Karateschule, das Balletstudio, die Tierpraxis, der indischer Tempel, die albanische Moschee, die Kindertagesstätte, der tailändische Einkaufsshop, der Übungsraum für Rockmusik und alle anderen Mieter bilden eine interessante multikulturelle Gemeinschaft, die auf jeden Fall erhalten werden sollte. Viel Übereinstimmung gab es hinsichtlich ökologischer und sozialen Fragen. Stichworte: wenig Autos, viel Fahrradverkehr, viel Grün, erneuerbare Energien, umweltverträgliche Baumaterialien, aber auch Begegnungszonen, Zusammenführen der Generationen, gemeinschaftliches Wohnen und anderes mehr. Eine Teilnehmerin meinte: «Wenn all die Ideen betreffend interkulturelles Ökoquartier mit Mehrgenerationenkomponente und Kulturtouch verwirklicht werden, dann ist das ganze Areal ein Leuchtturmprojekt.»

In der Zwischenzeit wurden die Ergebnisse des Workshops ausgewertet und ein Siedlungskonzept ausgearbeitet, welches am 14.08. und am 18.10.2013 dem Fachausschuss Bau- und Aussenraumgestaltung (FBA) der Stadt Burgdorf präsentiert wurde; dieser hat das Siedlungskonzept positiv aufgenommen.

Überbauungsordnung
Als nächster Schritt wurde das Verfahren der sogenannten Überbauungsordnung (ÜO) eingeleitet. Dieses Verfahren ist zonenrechtlich erforderlich, da sich das Bucher-Areal und die umliegenden, benachbarten Parzellen in einer Zone mit Planungspflicht (ZPP 9) befinden. Konkret werden die Bestandteile der ÜO, wie Überbauungsplan, Überbauungsvorschriften, Erläuterungsbericht, Planungsleitlinien Architektur, Verkehrs-, Energie- und Ökologisches Konzept definiert.
Die öffentliche Mitwirkung wurde vom 24.04. – 26.05.2014 durchgeführt. Am 07. Mai fand auf der Baudirektion Burgdorf eine Informationsveranstaltung für die interessierte Bevölkerung statt. Insgesamt wurden neun schriftliche Stellungnahmen aus der Bevölkerung eingereicht. Die Mitwirkungseingaben bezogen sich auf das Verkehrskonzept des Areals, die geplanten Neubauten und deren Schattenwurf, die Nutzung des Areals, das Wasserkraftwerk und die bestehenden Bäume. Die Eingaben wurden ausgewertet und nach Möglichkeit in die laufende Planung aufgenommen (Mitwirkungsbericht). Die entsprechenden Verfahrensunterlagen wurden überarbeitet und Mitte Oktober 2014 dem Kanton Bern zur Vorprüfung eingereicht. Mit der Rückmeldung aus Bern wird Ende Februar 2015 gerechnet.

Weiteres Vorgehen
Anschliessend wird die öffentliche Auflage erfolgen, voraussichtlich im März 2015. Mit der Genehmigung durch Gemeinderat und Stadtrat wird im August 2015 gerechnet und schlussendlich wird die Genehmigung des Kantons Bern im Dezepber 2015 erwartet; zum gleichen Zeitpunkt wird die Überbauungsordnung die Rechtskraft erlangen. Anschliessend soll für die geplanten Neubauten ein Studienauftrag unter eingeladenen Architekturbüros durchgeführt werden. Bezug der Neubauten wird voraussichtlich Ende 2018 sein.

Sanierung Haus A
Das um 1860 erstellte Haus A an der Gotthelfstrasse 42 ist Teil des Bucher-Areals, deren Eigentümerin, die Bucher & Co. AG, 2012 von der Stiftung Abendrot erworben wurde. Das Gebäude ist im Bauinventar als «erhaltenswert» aufgeführt. Es besitzt viel Charme und Ausstrahlung, dies vor allem aufgrund seiner grösstenteils ursprünglichen Bausubstanz. Das Haus wurde von Nov. 2013 – April 2014 durch den Architekten Olav Rohrer sanft umgebaut und saniert mit dem Ziel, möglichst viel alte Bausubstanz resp. viel Charme zu erhalten. Fotos und Berichte der Bauphase gibt es hier. Ab März 2015 werden die neuen Mieter/innen in die sanierten Räumlichkeiten einziehen.

Sanierung Haus B
Dieses Gebäude wurde in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts als Verbindungsbau zwischen dem Wohnhaus A und dem Fabrikations- und Lagerhaus C errichtet. Die Räumlichkeiten im Erdgeschoss mit dem zugehörigen Garten werden von der Kindertagesstätte LeoLea genutzt. Das Gebäude soll energetisch saniert werden.

Sanierung Haus C
Das Gebäude C an der Gotthelfstrasse 44/Polieregasse 7 wurde durch die Bucher & Co. AG 1917 als Fabrikations-, Lager- und Speditionsbau mit Hauswartwohnung erstellt. Das Gebäude ist im Bauinventar als «schützenswert» aufgeführt. Die letzten 15 Jahre wurde das Erdgeschoss durch eine Brockenstube genutzt. Nach deren Auszug Ende Juni 2013 wurde ein Nutzungs- und Sanierungskonzept erarbeitet, mit dem Ziel, die Gebäudehülle, die Haustechnik und die Vertikalerschliessungen zu sanieren/zu verbessern und die Räumlichkeiten als Gewerbe-, Dienstleistungs-, Ateliers-, und Werkstatträume zu vermieten. Das Baugesuch wird voraussichtlich im Mai 2015 eingereicht. Mit der Baubewilligung wird bis Ende Juni 2015 gerechnet. Die Sanierungsarbeiten dauern voraussichtlich von August 2015 bis Februar 2016, d.h. Bezug der sanierten Mietflächen wird voraussichtlich März 2016 sein. Fotos und Berichte der Bauphase gibt es hier.

Sanierung Haus D
Das Gebäude D an der Gotthelfstrasse 44/Polieregasse wurde durch die Bucher & Co. AG 1917 als Shedhalle für die Fabrikation erstellt. Es ist im Bauinventar als «schützenswert» aufgeführt. Im Erdgeschoss befinden sich eine Tierklinik (Seite Polieregasse) und eine Karateschule sowie ein Ballettstudio (Arealseite). Die energietische Sanierung wird vorerst zurückgestellt.

Sanierung Wasserkraftwerk, Haus E
Das bestehende Kraftwerk Bucher mit knapp 40 kW Leistung soll im Rahmen der Areal-Entwicklung erneuert werden. Die Hydro Engineering GmbH hat ein entsprechendes Vorprojekt ausgearbeitet. Während des diesjährigen Bachabschlages vom 14. - 20. September 2013 wurden diverse Unterhaltsarbeiten ausgeführt. Die Ausführung der Erneuerung des Kraftwerks Bucher ist noch nicht bekannt. Bevor ein Investitionsentscheid gefällt werden kann,  muss vorerst die aktuelle Beratung der Energiestrategie 2050 im National- und Ständerat abgewartet und beobachtet werden, da die Förderbeiträge für Kleinstwasserkraftwerke (z.B. KW Bucher) massiv gekürzt werden sollen. Die Stiftung Abendrot hat als Mitunterzeichnerin einer Stellungnahme zur geplanten Revision der Energieverordnung EnV beim Bundesamt für Energie gegen die geplante Kürzung der Fördergelder interveniert.

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